KSG zieht Fazit nach „Woche gegen Rassismus“
8. April 2019

Rassistische Äußerungen beim Serbien-Länderspiel gegen die Nationalspieler Leroy Sané und Ilkay Gündogan, Hetzparolen gegen und Brandanschläge auf Flüchtlinge, aber auch die Abwertung anderer ethnischer Gruppen wie die der Kurden durch türkische Nationalisten oder zwischen Ethnien vom Balkan: Rassismus taucht in allen Gesellschaftsschichten auf und findet dort Anhänger. Dem Kampf gegen Rassismus hat sich die Kaufmännische Schule als ausgezeichnete „Schule gegen Rassismus – Schule mit Courage“ verschrieben und sich im Rahmen des von der UN ausgerufenen Internationalen Tages gegen Rassismus  am 21. März eine komplette Woche mit dem Thema auseinandergesetzt. Initiiert und koordiniert wurde diese Aktionswoche von der Lehrerin Sibel Tuncer und der Schulsozialarbeiterin Isabel Leibfarth. Sibel Tuncer hatte ursprünglich nur einen Aktionstag geplant. In Zusammenarbeit mit ihrer Kollegin entstanden aber so viele Ideen, dass die Aktion schließlich auf eine Woche ausgeweitet wurde, was auch von den Schülern sehr positiv aufgenommen wurde, denn das Thema gehe ansonsten im Schulalltag oft unter, so Carolin Gäßler aus der Wirtschaftsschule.  Gerade weil Situationen von manchen schon als Rassismus eingeordnet werden, während andere sich noch nicht angegriffen fühlen, sei es laut Sibel Tuncer wichtig, sich der unterschiedlichen Wahrnehmung von Rassismus bewusst zu werden. Für Isabel Leibfarth war die Woche Präventionsarbeit, denn die Radikalisierung finde meist bei jungen Erwachsenen statt. Außerdem sei die Auseinandersetzung mit dem Thema Teil der politischen Bildung, da die meisten Schüler schon oder bald wählen dürfen. Da der Alltagsrassismus versteckt, aber weit verbreitet sei, sei es wichtig, Rassismus nicht zu ignorieren, sondern mit den Schülern Handlungsstrategien dagegen zu entwickeln.

Dazu waren ab Wochenbeginn verschiedene Aktionen von Klassen und Lehrern im Foyer auf Stellwänden ausgestellt. Das Präventionstheater „Mensch: Theater“ aus Offenburg führte am Mittwoch vor den Wirtschaftsschulklassen ihr Stück „Meine, Deine, Unsere Welt“ auf, welches auf äußerst positive Resonanz der Schüler stieß. In drei unterschiedlichen kurzen Stücken wurden Szenen, in denen es um Diskriminierung und Vorurteile geht, von den drei Darstellern nachgespielt. Ging es in der ersten Szene zunächst um eine geplante Zwangsheirat und strenge Konventionen, vor denen die Tochter der Familie fliehen will, spielte auch der vorurteilsfreie Umgang mit Homosexualität von Mitschülern und der Rassismus gegenüber Flüchtlingen eine Rolle. Beim dritten Stück, in dem ein Flüchtling von Mitschülern an einer Bushaltestelle beschimpft und rassistisch beleidigt wurde, kamen schließlich drei Wirtschaftsschüler aus dem Publikum dem jungen Mann zur Hilfe und verteidigten ihn gegen die Angreifer. Hintergrund war die Frage, wie man selbst reagiert, wenn einem Rassismus im Alltag begegnet. Im Anschluss entwarfen die Schüler eigenständig in ihren Klassen unter Anleitung jeweils eines Schauspielers ein Standbild und ein kurzes Schauspiel, in dem es um Rassismus und Diskriminierung ging. Noemi Weimper und Labinot Bahtjaro zeigten sich, wie ihre Mitschüler, von der Veranstaltung begeistert und lobten die gute Anleitung und Umsetzung der Workshops durch das Theaterteam. Zum Abschluss der Aktionswoche werteten drei JG 1-Klassen am Freitag das Feedback ihrer Mitschüler aus den beteiligten Klassen aus und die am Montag gestartete Spiegel-Aktion im Foyer wurde aufgelöst. Dabei handelte es sich um eine Methode der Selbstwahrnehmung, bei der die Schüler angeben sollten, was sie vor sich sehen, wenn sie in den Spiegel schauen. Häufig, das wurde bei der Aufklärung deutlich, sehen Menschen nicht sich selbst, sondern das, was andere Mitmenschen ihnen spiegeln. Beispielsweise sehe ein in Deutschland geborener dunkelhäutiger Schüler, dessen Eltern ursprünglich aus Eritrea kommen, durch die häufigen Nachfragen seiner Mitmenschen woher er komme, nicht mehr sich selbst als Individuum, sondern einen Afrikaner. Eben so, wie es von anderen erwartet werde. Im Nachklapp wird im After School Cinema der KSG am kommenden Donnerstag im Gloria-Kino noch der Film „The hate u give“ gezeigt, der thematisch genau zu der Woche passt. Schulleiter Roland Rimbach betonte die Wichtigkeit einer solchen Veranstaltung. Die Schule möchte, so sein Fazit, an dieser Stelle sensibilisieren und zum Nachdenken anregen und deshalb sei er sehr froh, dass das Programm so gut von den Schülern angenommen worden sei.

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